| Geschichte der Mühle |
|
|
|
|
Die Dampfmaschine ist erfunden und in Berlin ist auch schon die erste Dampfmühle im Betrieb. Und doch werden weiterhin Windmühlen gebaut. Der Grund: auch in diesen historischen Windmühlen hat der technische Fortschritt nicht Halt gemacht. 1865/66 wird die Britzer Mühle nach englisch/amerikanischen Vorbild gebaut und erhält eine für damalige Verhältnisse sehr moderne Mühlen- und Mahltechnik. In den Jahren 1865/66 erbaute Johann Wilhelm Gottlob Dörfer die Galerieholländerwindmühle in Britz, die er bereits 1874 wegen Ortswechsels an den Mühlenmeister Karl Albert August Stechan für 19.000 Taler verkaufte, das mitveräußerte bewegliche Mühleninventar nebst Bestände für anteilige 2.000 Taler. Die Mühle erhielt den Namen "Stechansche Mühle".1893 ließ Stechan einen Kesselanbau an die Remise zur Unterstützung des Mühlenbetriebes anfügen und verpachtete 1925 die Mühle an den Mühlenmeister Franz Bensdorf. Dieser legte 1936 den Windantrieb still und ersetzte ihn durch einen Dieselmotor. Erst fünfzig Jahre später wurde das Flügelkreuz wieder in Gang gesetzt. 1940 erwarb die Baufirma Friedrich Hauck & Co. während des Zweiten Weltkrieges das Anwesen, das 1943 teilweise von Bomben zerstört wurde, von den Nachfahren Stechans. Im Jahr 1947 wurden neue technischen Anlagen installiert, die bereits 1953 wieder ausgebaut und in einer Mühle in Alt-Buckow verwendet wurden. 1955 kam die Mühle unter Denkmalschutz. 1958 wurden die Flügel und die Galerie (Umgang) wiederhergestellt, des weiteren wurde die Mühle mit neuen Holzschindeln eingedeckt. 1959 erwarb das Land Berlin vom Architekten Franz Hauck das gesamte Mühlenanwesen für DM 100.000,- und verpachtete es zur zeitweiligen Nutzung an die Pfadfinderorganisation. 1977 beschloss das Berliner Abgeordnetenhaus, die inzwischen 111 Jahre alte Britzer Mühle in das Konzept der Bundesgartenschau 1985 einzubinden; 1983 erfolgte eine Renovierung der Gebäude. Im Rahmen der Bundesgartenschau Berlin 1985 eröffnete schließlich Bundespräsident Richard von Weizsäcker feierlich den Mühlenkomplex. 1986 übernahm Piet Leeuw aus Buren (Gelderland) den Mühlenbetrieb und begann im Februar 1987 mit der Ausbildung für "freiwillige Müller/Innen" nach den Grundsätzen der holländischen Mühlengilde. Am 23. Februar wurde nach 50-jährigem Stillstand der Flügel wieder das erste Getreide in der inzwischen 121 Jahre alten Windmühle gemahlen. Am 16. Mai desselben Jahre erfolgte im Rahmen des ersten "Britzer Mühlentages" die Eröffnung des Restaurants "Britzer Mühle". Bereits im Dezember kam es aufgrund der während des Betriebs festgestellten technischen Mängel an Ruten (Flügelbalken) und Kammrad zur vorläufigen Stilllegung der Mühle. Der bestallte holländische Mühlenbauer "Groot Wesseldijk BV Molenmakersbedrijf" aus Lochem begann im Januar 1988 mit den notwendigen Instandsetzungsarbeiten. Anfang März wurden die alten Holzflügel durch eine mit dem Landeskonservator abgestimmte Holz-Stahlblech-Konstruktion ersetzt sowie ein neues Kammrad und zwei neue Steinstockräder montiert. Anfang April nahm die Mühle ihren Betrieb wieder auf, nachdem Piet Leeuw einen Probelauf bei Windstärke 8 durchgeführt hatte. Im Oktober kehrte Piet († 21. November 2003) in seine holländische Heimat zurück. Zuvor hatten die Müllerlehrlinge mit Auszeichnung ihre Windmüllerprüfung vor einer holländischen Prüfungskommission abgelegt. Aber auch in den letzen Jahren gab es immer wieder kleine bauliche Veränderungen an der Mühle um den Betrieb und die Sicherheit zu gewährleisten: Neue Windrose mit Flügelblättern aus Stahlblech. Neue Galerie mit stählernem Ringanker. In den 13 Ausbildungskursen hatten inzwischen mehr als 80 Müllerinnen und Müller ihr Windmühlen-Diplom bestanden. Der Britzer Müller Verein e. V. bildet weiterhin in diesem Hobby aus und hat im laufenden Kurs 14 zwölf Teilnehmer/inen. |





In den Jahren